Geflochtene Schnüre kaufen – hauchdünn und trotzdem megastark
Geflochtene Angelschnüre (polyfile Schnur) zählen zu den wichtigsten Hauptschnur-Typen des modernen Angelns. Sie unterscheiden sich grundlegend von monofilen Schnüren durch ihren Aufbau und ihre mechanischen Eigenschaften. Ihre Verbreitung begann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der industriellen Herstellung extrem reißfester Hochleistungsfasern – ursprünglich für militärische und industrielle Zwecke entwickelt. Diese Innovation revolutionierte den Angelsport durch Schnüre mit bislang unerreichter Zugfestigkeit bei minimalem Durchmesser.
Aufbau und Herstellung geflochtener Angelschnüre
Im Gegensatz zu monofilen Schnüren, die aus einem einzigen Kunststoffstrang bestehen, werden geflochtene Angelschnüre aus vielen einzelnen Fasern gefertigt, sogenannten Filamenten, die in einem präzisen Flechtverfahren miteinander verflochten werden:
- Materialien: Hochwertige geflochtene Schnüre bestehen aus synthetischen Hochleistungsfasern der Klasse der ultrahochmolekularen Polyethylene (UHMWPE). Die bekanntesten Markennamen sind Dyneema (DSM) und Spectra. Seltener kommen auch Aramidfasern wie Kevlar zum Einsatz.
- Flechtung: Die Qualität einer geflochtenen Schnur hängt maßgeblich von der Anzahl der verflochtenen Stränge ab. Üblich sind 4-fach- und 8-fach-Geflechte, es existieren aber auch Ausführungen mit bis zu 16 Trägern. Je mehr Stränge verflochten werden, desto runder, glatter und geschmeidiger ist die Schnuroberfläche.
- Veredelung: Viele geflochtene Schnüre werden abschließend oberflächenversiegelt (Coating) oder thermisch verstreckt, um Wasseraufnahme und Reibung zu reduzieren, die Abriebfestigkeit zu erhöhen und die Wurfeigenschaften zu verbessern.
Charakteristische Merkmale und Eigenschaften
Die besonderen Eigenschaften geflochtener Angelschnüre ergeben sich direkt aus ihrer Struktur:
Vorteile:
- Nahezu keine Dehnung: Geflochtene Schnüre dehnen sich kaum. Diese „Null-Dehnung“ sorgt für eine direkte Verbindung zwischen Angler, Köder und Fisch – feinste Bisse werden sofort spürbar, und der Anhieb erfolgt unmittelbar, auch auf große Distanz.
- Hohe Tragkraft bei geringem Durchmesser: UHMWPE-Fasern bieten extreme Reißfestigkeit. Dadurch besitzen geflochtene Schnüre bei gleichem Durchmesser eine deutlich höhere Tragkraft als Monofile. Das erlaubt dünnere Schnüre, größere Wurfweiten und weniger Strömungswiderstand.
- Langlebigkeit: Geflochtene Schnüre sind weitgehend UV-beständig, verrottungsfest und unempfindlich gegenüber den meisten Chemikalien – ideale Voraussetzungen für eine lange Lebensdauer.
Nachteile:
- Knotenfestigkeit: Die lineare Tragkraft ist höher als die Knotenfestigkeit – spezielle Knoten (z. B. Palomar- oder FG-Knoten) sind Pflicht.
- Wasseraufnahme & Kälte: Trotz moderner Coatings nehmen die Fasern etwas Wasser auf, was bei Frost zum Vereisen der Schnur führen kann.
- Abriebfestigkeit: Im Kontakt mit scharfen Hindernissen (Steinen, Muscheln) sind sie empfindlicher als Nylon oder Fluorocarbon – daher wird überwiegend ein monofiles Vorfach empfohlen.
Varianten geflochtener Schnüre
Die Vielfalt geflochtener Schnüre ergibt sich aus Flechttechnik, Strangzahl, Dichte und Färbung:
Flechtung der Stränge:
- Klassische Rundflechtung (Standard-Braid): Die gebräuchlichste Technik bei modernen Angelschnüren. Mehrere Einzelfasern (Träger) werden spiralförmig umeinander geflochten – ähnlich wie bei einem runden Textilgeflecht. Es werden in der Regel 8, 12 oder 16 Trägerstränge verflochten. Je mehr Stränge, desto runder, glatter und leiser wird die Schnur.
- Flach- oder Bandflechtung (Flat Braid): Die Fasern werden seitlich verflochten, sodass eine flachbandartige Schnurstruktur entsteht. Diese Schnüre erinnern an schmale Gurte. Sie bestehen zumeist aus 4 oder 6 Trägersträngen.
Anzahl der Stränge:
- 4-fach-Geflecht (4 Braid): Robuste, etwas flachere Struktur, günstig, aber rauer und lauter in den Ringen.
- 8-fach-Geflecht (8 Braid): Rund, leise und geschmeidig – der moderne Standard für die meisten Angelmethoden.
- 12–16-fach-Geflecht: Höchste Rundheit und Glätte, dafür teurer und technisch aufwendiger in der Herstellung.
Farbgebung:
- Signal- und Neonfarben (z. B. Gelb, Grün): Ideal beim Spinnfischen, da die Schnurführung gut sichtbar bleibt.
- Tarnfarben (Camouflage, Silt, Weed): Besonders beim Grund- oder Karpfenangeln beliebt.
- Farbwechsel-Schnüre: Mit Markierungen in regelmäßigen Abständen, nützlich beim Meeres- oder Tiefseefischen zur Tiefenkontrolle.
Dichte und Sinkverhalten:
- UHMWPE-Fasern sind grundsätzlich leichter als Wasser und schwimmfähig.
- Durch spezielle Beschichtungen oder eingearbeitete Materialien (z. B. Wolfram) entstehen sinkende Varianten, die hauptsächlich beim Grund- und Karpfenangeln geschätzt werden.
Einsatzgebiete geflochtener Angelschnüre
Dank ihrer hohen Sensibilität und Zugfestigkeit sind geflochtene Schnüre überall dort im Einsatz, wo Präzision, Kontakt und Kraft gefragt sind:
- Spinnfischen: Direkte Köderkontrolle und präzise Bisserkennung – ideal für Jigs, Gummifische oder Twitchbaits.
- Meeresangeln: große Tragkraft bei geringem Durchmesser – perfekt für tiefe Gewässer und kapitale Fische.
- Karpfen- und Distanzangeln: Geringe Dehnung sorgt für bessere Kraftübertragung und weite Würfe.
- Welsangeln: Extreme Reißfestigkeit ist beim Drill großer Fische unverzichtbar.
Fazit: Geflochtene Schnüre – starker und direkter Draht zum Fisch
Geflochtene Schnüre sind die erste Wahl, wenn maximale Sensibilität, Tragkraft und Kontrolle gefragt sind. Sie übertragen jeden Zupfer zuverlässig, bieten enorme Stärke bei minimalem Durchmesser und eröffnen durch ihre Präzision ganz neue Dimensionen beim Spinn- und Meeresangeln. Trotz ihrer Empfindlichkeit gegenüber Abrieb und Knotenfehlern bleiben sie – richtig eingesetzt – der „direkte Draht zum Fisch“ und ein unverzichtbares Werkzeug für anspruchsvolle Angler.
















Trusted Shops Käuferschutz 






























