Fliegenschnüre kaufen – erst sie lassen die Fliegen richtig fliegen
Die Fliegenschnur, in der Fachsprache auch Wurfschnur genannt, ist das zentrale Element der Angelausrüstung beim Fliegenfischen. Im Gegensatz zu den Schnüren anderer Angelmethoden dient sie nicht primär der Befestigung des Köders, sondern ist das eigentliche Wurfgewicht, das die leichte, nahezu gewichtlose künstliche Fliege präzise zum Fisch transportiert.
Material, Aufbau und Funktion von Fliegenschnüren
Ursprünglich wurden Fliegenschnüre aus natürlicher Seide gefertigt, die regelmäßig gefettet werden musste, um schwimmfähig zu bleiben. Erst mit der Entwicklung synthetischer Polymere – insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg – setzten sich Kunststoff-Fliegenschnüre durch, die heute den Standard bilden.
Ihre spezielle Funktion erfordert einen mehrschichtigen Aufbau, der aerodynamisch und funktional optimiert ist:
Aufbau und Herstellung
Moderne Fliegenschnüre bestehen im Wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten:
- Schnurseele (Core): Sie bildet den inneren Kern der Schnur und sorgt für Zugfestigkeit. Je nach gewünschtem Dehnungsverhalten besteht sie aus geflochtenem oder extrudiertem Material, etwa Nylon, Dacron oder UHMWPE (Ultra-High-Molecular-Weight Polyethylene).
- Mantel (Coating): Die äußere Schicht bestimmt Gewicht, Auftrieb, Geschmeidigkeit und Oberflächeneigenschaften. Typische Materialien sind PVC oder Polyurethan, denen je nach gewünschtem Verhalten Mikrokügelchen (für Auftrieb) oder Schwermetallpulver, etwa Wolframstaub (für Sinkverhalten), beigemischt werden.
Zweck und Funktion
Die Fliegenschnur dient als Energiespeicher und Überträger der Wurfenergie. Durch ihr Gewicht kann die Fliegenrute „geladen“ werden, sodass die Schnur in der Luft eine dynamische Schleife (Loop) bildet, welche die künstliche Fliege kontrolliert über das Vorfach zum Ziel trägt.
Klassifizierung und Gewichtssystem (AFFTA)
Damit Fliegenrute und Fliegenschnur optimal harmonieren, werden beide in Schnurklassen eingeteilt – ein System, das auf dem Gewicht der Schnur basiert:
- AFTMA/AFFTA-System: Entwickelt von der American Fishing Tackle Manufacturers Association (AFTMA) und heute von der American Fly Fishing Trade Association (AFFTA) weitergeführt.
- Gewichtsnorm: Die Klasse einer Fliegenschnur wird durch das Gewicht der ersten 9,14 Meter (30 Fuß) bestimmt – die Spitze („Level Tip“) bleibt dabei unberücksichtigt.
- Beispiel: Eine Schnur der Klasse #5 muss auf dieser Länge ein Gewicht von etwa 9,1 Gramm haben.
- Zweck: Die Abstimmung von Schnurklasse und Rutenklasse ist entscheidend:
- Eine zu leichte Schnur lädt die Rute nicht ausreichend auf.
- Eine zu schwere Schnur überlastet sie und beeinträchtigt das Wurfverhalten.
Varianten von Fliegenschnüren
Fliegenschnüre unterscheiden sich primär nach Querschnittsverlauf (Taper) und Sinkverhalten (Density). Diese Merkmale bestimmen, wie sich eine Schnur beim Wurf, auf dem Wasser und bei der Köderführung verhält.
Unterschiede nach Querschnittsverlauf (Taper)
Der Taper beschreibt die Gewichtsverteilung entlang der Schnur:
Keulenschnur (WF – Weight Forward)
- Besonderheit: Verdickung („Keule“ oder Belly) im vorderen Drittel, gefolgt von einer dünneren Running Line.
- Funktion: Das konzentrierte Gewicht an der Spitze ermöglicht schnelles Aufladen der Rute und weite, kraftvolle Würfe.
- Einsatz: Universell – die gebräuchlichste Schnurform, ideal auch für Einsteiger.
Doppelt verjüngte Schnur (DT – Double Taper)
- Besonderheit: Symmetrischer Verlauf mit einer Verjüngung an beiden Enden.
- Funktion: Sorgt für sanfte, präzise Präsentationen auf kurzen bis mittleren Distanzen.
- Vorteil: Bei Verschleiß kann sie einfach umgedreht werden – doppelte Lebensdauer.
Schusskopf (ST – Shooting Taper)
- Besonderheit: Kurzes, stark gewichtetes Kopfteil (Head), das über eine Schlaufe mit einer dünnen Running Line verbunden ist.
- Funktion: Entwickelt für maximale Wurfweite bei minimalem Kraftaufwand.
- Einsatz: Vor allem beim Lachs-, Meerforellen- und Salzwasserfischen.
Parallelschnur (L – Level Line)
- Besonderheit: gleichbleibender Durchmesser über die gesamte Länge.
- Funktion: Historischer Schnurtyp, heute nur noch selten genutzt, da ihm die modernen, dynamischen Eigenschaften fehlen.
Unterschiede nach Sinkverhalten (Density)
Das Sinkverhalten wird durch die Dichte des Mantels bestimmt und beeinflusst, auf welcher Wasserschicht die Fliege geführt wird:
Schwimmschnur (F – Floating):
- Eigenschaft: Bleibt dank eingeschlossener Mikrokügelchen auf der Wasseroberfläche.
- Einsatz: Für das Trockenfliegenfischen und das Präsentieren von Nymphen oder Streamern nahe der Oberfläche.
Intermediateschnur (I – Intermediate):
- Eigenschaft: Sinkt sehr langsam und läuft knapp unter der Oberfläche.
- Einsatz: Perfekt für Stillgewässer oder bei Wind, um die Fliege stabil im Sichtbereich der Fische zu halten.
Sinkschnur (S – Sinking):
- Eigenschaft: Sinkt dank Beimischung von Wolfram oder Bleipulver schnell ab.
- Kennzeichnung: Sinkraten werden meist in S1 bis S7 angegeben – je höher die Zahl, desto schneller das Absinken.
- Einsatz: Zum Tiefenfischen mit Streamern auf Raubfische in Seen, Flüssen oder im Meer.
Sinktip-Schnur (F/S oder F/I):
- Eigenschaft: Der Hauptteil der Schnur schwimmt (F), während nur die Spitze sinkend (S) oder intermediär (I) ist.
- Einsatz: Kombiniert hohe Kontrolle mit tieferer Köderführung – ideal in starker Strömung oder bei wechselnden Tiefen.
Fazit: Vom Wurf bis zur Präsentation – die Fliegenschnur bestimmt den Erfolg
Die Fliegenschnur ist weit mehr als nur eine Verbindung zwischen Rute und Fliege – sie ist das dynamische Herzstück des Fliegenwurfs. Nur mit einer korrekt abgestimmten, qualitativ hochwertigen Schnur lässt sich die volle Energie der Rute nutzen, der Fisch gezielt anwerfen und die Fliege sauber präsentieren.
Ob schwimmend, sinkend oder intermediär, mit Keule oder Doppelverjüngung – jede Fliegenschnur ist ein präzises Werkzeug für spezifische Bedingungen. Wer ihre Eigenschaften versteht und gezielt auswählt, beherrscht nicht nur den Wurf, sondern auch das feine Spiel zwischen Technik, Strömung und Fischverhalten.














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